Chinesisch, ostasiatisch oder orientalisch Der „indianische“ Stil

Im Barock entwickelte sich ein eigenes Verständnis für fremde Kulturen: Man vermischte asiatische und orientalische Stilelemente und Motive miteinander – und schuf damit eine eigene, europäisch geprägte Mode. Unter „indianisch“ verstand Markgräfin Sibylla Augusta einen exotischen Stilmix.

Karte von Amerika, Theodor de Bry, 1596.

Erst im 16. Jahrhundert entdeckten die Europäer die übrige bekannte Welt.

Asien oder Amerika?

Als Kolumbus den Seeweg nach Indien suchte, landete er im Oktober 1492 in Amerika. Weil er glaubte, er sei in Indien, nannte er die Menschen, die er sah, „Indianer“. Der Begriff beschreibt demnach die indigene Bevölkerung Nordamerikas. Kolumbus und alle Seefahrer nach ihm, brachten auf ihren Erforschungs- und Eroberungsreisen die europäische Kultur auf die fremden Kontinente – und Waren wie Eindrücke von dort nach Europa. Berichte und Zeichnungen schilderten die fernen Länder und ihre Kultur.

Schloss Favorite Rastatt, Exponat der Porzellan-Ausstellung.

Markgräfin Sibylla Augusta sammelte Meißner Porzellan mit „indianischen“ Blumen.

„Indianische“ Blumen

Was Händler, Entdecker und Missionare aus China berichteten, inspirierte Europas Künstler zu neuen Kreationen. So wurde der Porzellanmaler Johann Gregorius Höroldt berühmt für seine „indianischen“ Blumen: Ab 1720 verzierte er Meißner Porzellan mit Chrysanthemen, Pfingstrosen und Pflaumenblüten ‒ und chinesisch anmutenden Figuren. Kurfürst August von Sachsen schätzte die exotischen Dekore ebenso wie Markgräfin Sibylla Augusta: Sie war eine der ersten Kundinnen der Meißner Porzellanmanufaktur.

Schloss Favorite Rastatt, Privatzimmer des Markgrafen, indianischer Kaminschirm, Ausschnitt.

Der Ausschnitt des Kaminschirms zeigt einen exotischen Stilmix aus verschiedenen Kulturen.

Ein Kaminschirm, viele Kulturen

Im Schlafzimmer des Erbprinzen Ludwig Georg findet sich ein besonderes Objekt ‒ ein „schwartze[r] schirmb“ mit Porzellanplaketten aus China, Einlagen aus Elfenbein und einer osmanischen Papierminiatur. Sein Hauptmotiv: ein Kästchendeckel ägyptisch-syrischer oder indischer Herkunft. Die einzelnen Bestandteile leimte man auf dünne Bretter und versah sie mit einem Rahmen. Das Ergebnis: ein „indianisches“ Möbel. So bezeichnete Markgräfin Sibylla Augusta Nachbildungen von ostasiatischem Kunsthandwerk.

Residenzschloss Rastatt, Japanisches Lackkästchen mit Lackarbeiten auf dem Deckel und filigranem europäischen Silberbesatz.

Das Kästchen aus Japan bezeichnete Markgräfin Sibylla Augusta als „indianisch“.

EXOTISCHE LACKARBEITEN

Markgräfin Sibylla Augusta schätzte Lackarbeiten sehr ‒ wegen ihres außergewöhnlichen Charakters. Im Residenzschloss Rastatt ließ sie eigens ein Lackkabinett gestalten. Auch zwei Originale aus Japan haben sich darin erhalten: ein Kästchen und ein Kabinettschrank. Das schwarze Dekor wurde oft als „indianisch“ bezeichnet. Ahmte man chinesische Figuren, Tiere und Pflanzen in Europa nach, bezeichnete man sie auch als „chinoise“. Die ursprüngliche Bedeutung der ostasiatischen Motive ging verloren.

Schon immer zeichnete sich Europa durch sein Interesse an der Welt und ihren Schätzen aus. Kenntnisse und Kostbarkeiten aus der Fremde erweiterten den Horizont und beeinflussten Kunst, Kultur und Wissenschaft. Die Themenwelt „Exotik“ zeigt das europäische Verlangen nach Exotik in seinem ganzen Facettenreichtum.

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