Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Werbemotiv zum Projekt "Residieren, Restaurieren, Recyclen"

Gesellschaftliche NachhaltigkeitEin Recht auf Bildung

Die markgräfliche Familie von Baden-Baden prägte in Rastatt nicht nur das Bauwesen, sondern förderte auch die Schulbildung. Der dadurch erleichterte Zugang zu Bildung trug dazu bei, die Lebensverhältnisse gerade in den ärmeren Bevölkerungsschichten nachhaltig zu verbessern.

Schloss Favorite Rastatt, Markgräfin Sibylla Augusta

Markgräfin Sibylla Augustas Stiftung ermöglichte Jungen kostenlose Bildung.

Die ersten Schulgründungen der Markgrafen

1715 stiftete Sibylla Augusta eine Bildungseinrichtung, die von Piaristen geleitet wurde. Der katholische Orden bot kostenlosen Unterricht für Jungen aller Schichten an. Nach dem Weggang der Piaristen aufgrund eines Zerwürfnisses mit der Stifterin brachte ihr Sohn Ludwig Georg den Orden nach Rastatt zurück. Ab 1738 ließ er das Hofpfarrhaus gegenüber der Schlosskirche zu einer Schule ausbauen, in deren Hochphase circa 140 Schüler vom Grundschulalter bis zum Abschluss des Gymnasiums unterrichtet wurden.

Schloss Favorite Rastatt, Gemälde Hl. Joseph von Calasanza

Auch der Gründer der Piaristen, der heilige Joseph von Calasanza lehrte selbst.

Bildung für alle

Sibylla Augustas zweitem Sohn, August Georg, lag die Bildung des Nachwuchses besonders am Herzen. Er erließ 1770 eine allgemeine Schulordnung zur Durchsetzung der Schulpflicht in Baden. Nur wenige Jahre zuvor hatte seine Ehefrau Maria Viktoria von Arenberg eine Mädchenschule in Rastatt gestiftet. Diese wurde vom katholischen Orden der Augustiner-Chorfrauen geleitet. Die Stiftungen trugen wesentlich zur Verbesserung des badischen Schulwesens bei.

Nachhaltigkeit auf sozialer Ebene

Mit dem Begriff Nachhaltigkeit sind oft ökologische oder ökonomische Themen wie die Klimakrise verknüpft. Doch daneben existiert auch eine soziale Ebene. So gehört das Recht auf hochwertige Bildung für alle zu den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen. Bildung ist eine Grundlage, um die Lebensbedingungen auch für künftige Generationen langfristig zu verbessern. Die Schulstiftungen in Rastatt trugen somit zur Verbesserung der Lebensverhältnisse gerade der ärmeren Bevölkerung bei.

Schloss Favorite Rastatt, Rastatter Piaristenkolleg

Das ehemalige Rastatter Piaristenkolleg ist heute das Ludwig-Wilhelm-Gymnasium.

Unwissentlich nachhaltig

Der Grund für die Stiftungen der markgräflichen Familie lag allerdings nicht im heutigen Verständnis von zukunftsorientierter Nachhaltigkeit. Viel wichtiger war es ihnen, den Glauben durch katholischen Unterricht zu stärken. Zudem gab es im damaligen Schulwesen deutliche Unterschiede zwischen Jungen- und Mädchenbildung. Durch ihre Jugendförderung handelte die markgräfliche Familie dennoch nachhaltig. So entwickelte sich aus der ehemaligen Schule der Piaristen in Schlossnähe das heutige Ludwig-Wilhelm-Gymnasium.

chloss Favorite Rastatt, Aussen

Der Garten von Schloss Favorite Rastatt ist das Ergebnis einer landschaftsgärtnerischen Mode des späten 18. Jahrhunderts.