Das „Porzellanschloss“ von europäischem Rang

Schloss Favorite Rastatt

Gläser auf dem Kaminsims des kleinen Speisezimmers im Appartement der Markgräfin, Böhmen 1. Drittel des 18. Jahrhunderts; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Martine Beck Coppola
Fragil, prunkvoll und kostspielig

Gläser für die Fürstin

Ob als Gläser auf der Tafel, als Fensterglas oder als Spiegel – das Material war in der Barockzeit für die Ausstattung der fürstlichen Schlösser sehr begehrt und sehr teuer! Die Sammlung von Glasobjekten aus dem Besitz der Markgräfin zählt zu den herausragenden Schätzen von Schloss Favorite.

Detail im Spiegelkabinett von Schloss Favorite Rastatt; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Martine Beck-Copola

Gläser, Fenster, Spiegel und Lüster aus Glas: So entsteht ein kostbarer Eindruck im Spiegelkabinett.

Sammeln mit Leidenschaft

Als Teil ihres Erbes besaß Markgräfin Sibylla Augusta eine Glassammlung aus ihrer Heimat in Böhmen. Dazu gehörten Rubingläser, drei Kisten voller Karaffen, Deckelgläser und Kristallpokale. Ergänzend kaufte sie filigrane Kelchgläser und Konfektschalen, elegante Anbietplatten und aufwendig verzierte Flaschen- und Gläserkühler ebenso wie eindrucksvolle Prunkgläser. Diese führte sie als Zeugnisse der böhmischen Glaskunst ihrer Heimat den Gästen vor: Deshalb zeichnen sich die Gläser durch erlesene Dekore und außergewöhnliche Bearbeitungstechniken aus.

Prunkgläser auf dem Pietra-Dura-Tisch im Florentiner Kabinett, Böhmen 1. Drittel des 18. Jahrhunderts; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Martine Beck Coppola

Prunkgläser dienten dekorativen Zwecken.

Meisterhafte Produktion in Böhmen

Mitte des 15. Jahrhunderts gelang es Glasmachern in Venedig, erstmals ungetrübtes, klar durchsichtiges Glas herzustellen. In der Barockzeit kamen Gläser vor allem aus Böhmen und Schlesien. Hier experimentierte man mit den Rezepten, um dickwandiges Glas zu erhalten, das Schliff und Schnitt im Glas erlaubte – solcherart verzierte Gläser waren im Barock begehrt. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in der die meisten Gläser der Markgräfin hergestellt wurden, erreichte das böhmische Glaskunsthandwerk seine höchste Qualität. 

Kelchglas mit Goldbemalung vom Anfang des 18. Jahrhunderts; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Lutz Hecker

Repräsentatives Kelchglas mit Goldbemalung.

Gläser auf der fürstlichen Tafel

Bis in die späte Barockzeit waren kunstvolle Glasobjekte ein Statussymbol – nur der Adel konnte sich die fragilen Stücke leisten. Bei höfischen Festen spielte gläsernes Geschirr als Tafeldekor eine große Rolle. Vor 1800 war es unüblich, Flaschen und Gläser auf den Tisch zu stellen. Sie wurden auf dem Buffet in mit Eiswasser gefüllten Kühlern bereitgehalten. Lakaien füllten die Gläser und reichten sie den Gästen. Während des Desserts zierten Glasschalen die Tischmitte, reich bestückt mit Obst, Konfekt oder Backwaren. 

Details eines Sektglases aus Schloss Favorite Rastatt ; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Werner Hiller-König

Ein Sektglas mit Krakelee und Schollenbildung.

Herausforderung für Restauratoren

Einige Gläser in Schloss Favorite gingen im Laufe der Jahrhunderte zu Bruch und mussten lange auf eine Restaurierung warten: 2015 wurden 21 historische Glasobjekte dank einer Spende der Wüstenrot-Stiftung restauriert. Dank eines Forschungsprojektes zusammen mit dem Fraunhofer-Institut konnten die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg außerdem Ursachen der Glaskorrosion ergründen und Optimierungsmöglichkeiten für eine langfristig sichere Präsentation und Erhaltung wertvoller Kunstobjekte aufzeigen. 

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