Das „Porzellanschloss“ von europäischem Rang

Schloss Favorite Rastatt

Porträt des Markgrafen Ludwig Georg von Baden-Baden; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Ina Friedrich
Der „Jägerlouis“

Ludwig Georg von Baden-Baden

Erbprinz, Markgraf und vor allem ein passionierter Jäger – das war Ludwig Georg von Baden-Baden (1702–1761). Zweimal war der Markgraf, bekannt als „Jägerlouis“, verheiratet, doch es gab keinen Thronfolger.

Anhänger mit Porträt Ludwig Georgs, ca. 1712; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Anhänger mit dem Bildnis des siebenjährigen Ludwig Georg zur Erinnerung an die Wallfahrt.

Ludwig Georg – der ersehnte Erbprinz?

Ludwig Georg wurde 1702 in Ettlingen geboren. Noch war er nicht der Erbprinz, noch lebten zwei seiner älteren Brüder. 1709 allerdings waren beide verstorben und damit war klar: Ludwig Georg würde einmal die Regierung der Markgrafschaft übernehmen. Bis zu seinem sechsten Lebensjahr soll er stumm gewesen sein, erst während einer Wallfahrt nach Einsiedeln begann er zu sprechen. Zum Dank stiftete seine Mutter die Einsiedelner Kapelle in ihrer böhmischen Heimat Schlackenwerth. Die gleichnamige Kapelle in Rastatt entstand erst 1715 bis 1717.

Porträt des Markgrafen Ludwig Georg von Baden-Baden, 1724; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Ludwig Georg im Jahr 1724.

Hat er seine „Pflichten“ erfüllt?

Die Pflicht des Erbprinzen war natürlich, alles zur Erhaltung der Dynastie zu tun. 1721 heiratete er Maria Anna von Schwarzenberg. Anlässlich ihrer „Heimführung“ aus Böhmen nach Baden wurde eine Woche lang in der Residenz Rastatt und in Schloss Favorite gefeiert. Das Paar bekam vier Kinder, doch nur die älteste Tochter Elisabeth Auguste überlebte. Also kein Thronfolger in Sicht! 1727, mit der Volljährigkeit, übernahm er die Regierung von seiner Mutter – und wirtschaftete schlecht.

Was hat er in Schloss Favorite getan?

Ludwig Georg liebte das Jagen im Wald um Schloss Favorite. Zeitgenössische Berichte überliefern seine hohen Abschusszahlen. Bei einer sogenannten „eingestellten Jagd“ war das nicht schwer: Man trieb das Wild dem Fürsten direkt vors Gewehr. Für die festlichen Mahlzeiten, die anlässlich solcher Jagdgesellschaften in Schloss Favorite stattfanden, kaufte Ludwig Georg die sogenannten „Schaugerichte“ aus Straßburger Fayence – Terrinen in Tier- und Gemüseformen, die auf der Tafel sicher einen prächtigen Eindruck machten.

Gemälde einer Jagd von 1738 in Schloss Favorite Rastatt; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Steffen Hauswirth

Das Gemälde zeigt eine Jagd, die 1738 in Schloss Favorite stattfand.

Porträt Maria Josephas von Bayern; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Die zweite Ehefrau: Maria Josepha von Bayern.

Warum hat Ludwig Georg zweimal geheiratet?

1755 starb seine Ehefrau. Noch im gleichen Jahr heiratete Ludwig Georg erneut: die Kaisertochter Maria Josepha von Bayern. Beide teilten die Liebe zur Jagd. War es die letzte Chance, noch einen Nachfolger zu bekommen? Sechs Jahre später starb Ludwig Georg ohne männliche Nachkommen. Bestattet wurde er in der Stiftskirche in Baden-Baden. Sein Bruder August Georg kam noch für zehn Jahre an die Macht. Mit seinem Tod 1771 starb die Linie des Hauses Baden-Baden aus, die Markgrafschaft ging an die Linie Baden-Durlach über.

Auch interessant