Ansicht einer Pietra-Dur Tafel im Florentiner Kabinett in Schloss Favorite Rastatt

Pietra-Dura-Tafeln aus Florenz

Steinschneidekunst

Die Pietra-Dura-Tafeln, kostbare Zeugnisse italienischer Steinschneidekunst, gaben dem „Florentiner Kabinett“ in Schloss Favorite seinen Namen. Bilder von Landschaften, Blumensträußen, Stillleben – alle aus nur wenige Millimeter dünnen, geschliffenen Steinplatten zusammengesetzt!

Ansicht einer Pietra-Dur Tafel im Florentiner Kabinett in Schloss Favorite Rastatt

Küstenlandschaften zählen zu beliebten Motiven.

Geschnittene Steine

Wertvolle Steine und Steingefäße gehörten zu den kostbarsten Sammlungsstücken der Fürstenhöfe, auch in Rastatt. Höhepunkt der Sammlung von Markgräfin Sibylla Augusta aber waren die Pietra-Dura-Tafeln aus den Hofwerkstätten der Familie Medici in Florenz. Mit solchen Bildtafeln verkleideten die Medici Möbel, Kassetten und die Wände des Mausoleums der Familie. Befreundete Fürstenhäuser bekamen solche Tafeln manchmal als Geschenk – auch Sibylla Augusta, die eine große Tafel mit einer Verkündigungsszene erhielt.

Ansicht einer Pietra-Dur Tafel im Florentiner Kabinett in Schloss Favorite Rastatt

Stillleben aus Stein.

Pietra-Dura-Arbeiten

Die Technik der Herstellung solcher Bildtafeln nennt man „Commesso“. Aus zwei bis vier Millimeter dicken geschliffenen Steinplatten sägte man die Einzelteile aus und setzte sie zu Bildern zusammen. Verwendet wurden dafür Schmucksteine wie Achat, Amethyst, Lapislazuli oder Jaspis –, harte Steinsorten also, die den Bildern ihren Namen gaben: „pietre dure“ heißt auf Italienisch „harte Steine“. Auch Granit und Marmorsorten gehörten dazu. Die einzelnen Steine wählte man gezielt aus – zum Beispiel, um wolkigen Himmel darzustellen.

Ansicht des Tisches im Florentiner Kabinett in Schloss Favorite Rastatt

Der Tisch im Florentiner Kabinett.

Ein Tisch aus Pietra-Dura

Im Florentiner Kabinett von Schloss Favorite gibt es Pietra-Dura-Tafeln nicht nur an den Wänden. Auch in die Marmorplatte des großen hochwertigen Tisches sind 15 Bilder eingelassen. Neben drei großen Küstenlandschaften sind Kirschen, Pflaumen und Pfirsiche mit zarter Haut zu sehen. Auch Blumen und bunte Vögel sind dabei – ein Rotkehlchen, ein Stieglitz und ein Papagei. Umrankt werden die Tafeln von Pflanzen aus eingelegtem Perlmutt.

Wie kam Sibylla Augusta an die Bildtafeln?

Sibylla Augusta war mit den beiden Kindern des Großherzogs von Toskana, Cosimo III. de‘ Medici, verschwägert. Auf dem Rückweg von ihrer Reise nach Rom besuchte sie 1719 die Familie in Florenz. Mindestens 85 Pietra-Dura-Arbeiten muss sie damals in den großherzoglichen Werkstätten bestellt haben. Auch in der Schlosskirche in Rastatt kamen sie an einem Altar zum Einsatz.

Ansicht des Antependiums am Altar des Sanktuariums in der Schlosskirche Rastatt

Antependium am Altar des Sanktuariums in der Schlosskirche Rastatt.

Auch interessant

Das Florentiner Kabinett

Versenden
Drucken