Das „Porzellanschloss“ von europäischem Rang

Schloss Favorite Rastatt

Von Lasur- und Kochkünsten

Das Rezeptbuch der

Markgräfin

Ein Rezeptbuch aus dem Besitz der Markgräfin Sibylla Augusta von Baden-Baden ist bis heute überliefert: der „vierfache Handschrein“. Es enthält Rezepte in den vier Bereichen: Kunst, Kochen, Backen und Medizin. Sibylla Augusta selbst notierte viele Anmerkungen und eigene Ideen darin.

Porträt der Markgräfin Sibylla Augusta von Baden-Baden; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Sibylla Augusta als junge Frau.

Der sogenannte „Handschrein“

Wie ihre drei Jahre ältere Schwester erhielt die 13-jährige Sibylla Agusta 1688 ein Rezeptbuch von ihrem Großvater geschenkt. Das Buch trägt den Titel „Vierfacher Handschrein: unterschiedlich angemerckter Kunst- Speiß- Confitur- und Medicinal-Sachen“. Es ist ein Taschenbuch, im handlichen Format von 17 mal 15 cm, stabil gebunden und mit Leder bezogen. Auf den Beschlägen befinden sich die Inschrift „Francisca Sibylla Augusta" und die Jahreszahl „1688“. 

Schauküche in Schloss Favorite; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Töpfe und Teller in der Schauküche.

Kochrezepte

173 der insgesamt 373 Seiten sind von Markgräfin Sibylla Augusta im Laufe ihres Lebens zusätzlich beschrieben worden: Sie ergänzte die bereits vorhandenen Rezepte durch eigene Anmerkungen und neue Ideen. Im ersten Teil der vier Abschnitte des Büchleins finden sich unter anderem Rezepte zur Herstellung von Farben und Glas oder auch zur Lasurkunst. Der zweite Teil, das Kochbuch, verrät, dass Sibylla eine gewisse Vorliebe für Süßes hatte, was sich auch im umfangreichen "Confitur-buch", dem dritten Teil, zeigt.

Schwarzes Porzellan in Schloss Favorite; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Martine Beck-Coppola

Schwarzes Meissener Porzellan auf einer mit Lack verzierten Kommode.

Die Kunst der Lackarbeiten

In der heutigen Zeit wohl eher ungewöhnlich, erläutert das Buch nicht nur Kochrezepte. Neben Schönheitstipps und Rezepturen gegen verschiedene Krankheiten enthält es detaillierte Beschreibungen zu ostasiatischen Lackarbeiten und zur Herstellung von Wachsgegenständen. Als Bauherrin ließ Sibylla Augusta später viele Lackarbeiten dieser Art herstellen. Der Ursprung ihrer Liebe zum Kunsthandwerk lag in der Erziehung und den ersten Eindrücken der jungen Prinzessin.

Porträt der Markgräfin Sibylla Augusta von Baden-Baden und ihrer Schwester Anna Maria Franziska; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Ein Blumenstrauß ziert den Tisch der Markgräfin.

Ein medizinischer Ratgeber

Der vierte und letzte Teil des Buches beinhaltet Rezepte für Schönheitsmittel, Zahnwasser und Pomaden. Hier stehen auch Tipps für schwangere Frauen, schließlich war Sibylla Augusta selbst 12 Mal schwanger. Außerdem sind Zubereitungsmöglichkeiten für Salben und Elixiere aufgeführt, die gegen Brustkrankheiten helfen sollten – vielleicht ein Hinweis auf die persönliche Situation der Markgräfin, denn nach heutigem Wissen waren ihre letzten Jahre von einer Krebserkrankung geprägt.

Rezept: Pyramide mit Früchten und Blumen

„Thue ein blecherne Pyramiden derer vorher abgerüpen haben wird, allerhand schöne Blumen und Früchten, gieß dazu ein Brunnen-Wasser, setze so in ein dazu gemachte höltzerne Pyramiden, thue rund herumb Schnee oder eyß, wie auch in die mittlere röhr, laß es 3 oder 4 Stunden stehen & thue so offt als der Schnee terschmolzen ist, wiederumb anders darauff, bis so recht gefroren ist. In dieser Pyramiden kann man so allerhand zierlich ausgeschnittene Zitronen, Pomenranzenschalen, scheiben & andere dergleichen sachen, figuriert hinein thuen, damit die Pyramides daher schöner werden, wie auch Granatkörner…“

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TIPP

Besuchen Sie mit der Sonderführung für Kinder und Familien die drei Küchen des Schlosses Favorite. Das Kuchelweib erzählt bei „Ab in die Küche“ von verschiedenen Speisen und verrät ein paar ihrer Rezepte. 

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Unsere heutige Tischkultur ist durch eine weit zurückreichende Tradition noch immer tief in der Geschichte verwurzelt. Das Themenportal „Von Tisch und Tafel“ begleitet auf eine kulinarische Reise durch die Kulturgeschichte rund um die Gaumenfreuden von der Antike bis in die Gegenwart.

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